Warum man nicht über das Oktoberfest fliegen darf

Am Donnerstag, den 24.9.2009 machte sich der Pilot einer Douglas DC 6B aus der Flotte der „Flying Bulls“ (Red Bull) wohl einen Jux und drehte über der Wiesn im Tiefflug seine Runden. Das war ein wenig unsensibel: die Ereignisse vom 11.9.2001 waren sehr präsent, Osama bin Laden war noch am Leben und Terrordrohungen an der Tagesordnung. So fühlen sich viele Oktoberfestbesucher bedroht und riefen die Polizei an.
Anstatt nun den Fall zu untersuchen und ggf. an dem Übeltäter ein Exempel zu statuieren, wurde reflexartig ein Überflugverbot gefordert und auf Antrag des damaligen bayerischen Innenministers Herrmann noch am 26.9.2009 erlassen.
Das Flugverbot hat also mit Terrorabwehr zu tun. Seither gibt es einen Disput über Sinn und Unsinn der Maßnahme. Schließlich ist es schwer vorstellbar, dass ein Kamikaze-Selbstmord-Attentäter nach Lektüre der NOTAMS (NOTAM=Wichtige Nachrichten für Piloten, die u.a. Informationen über temporärere Flugbeschränkungen enthalten) von seinem Vorhaben ablässt. Die Beschränkung trifft also weniger die Terroristen, als die ZÜP-geprüften braven Piloten (ZÜP=Zuverlässigkeitsüberprüfung, der jeder Pilot in Deutschland regelmäßig unterzogen wird).
Unter dem unmittelbaren Eindruck des Terroranschlag in New York gab es übrigens bereits in 2001 einmalig ein Wiesn-Flugverbot. Weder vorher, noch danach sind ernste Probleme (z.B. gefährliche Annäherungen o.ä.) über dem Oktoberfest bekannt geworden, die das Überflugverbot rechtfertigen könnten. Da ist es unten auf der Theresienwiese sicher ungemütlicher (ein Todesopfer nach Schlägerei haben wir ja – Stand 29.9.2018 – schon).

Veröffentlicht unter News